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5000 Jahre Wanderungen aus den eurasischen Steppen nach Europa

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Proto-indoeuropäische Wanderungen in der frühen Bronzezeit

Autor: Maciamo Hay. (Geschrieben am 28. Januar 2010. Zuletzt aktualisiert im Februar 2018.)

Einführung

Die pontisch-kaspische Steppe, die sich von der Donau bis zum Ural erstreckt, hat eine wichtige Rolle in der europäischen und asiatischen Geschichte gespielt. Hier wurde das Pferd gezähmt, der Streitwagen erfunden und lag einer der Orte, an denen die Bronzezeit am frühesten blühte und von dem aus sie sich ausdehnte. Ab ca. 4000 v. Chr. zogen die Menschen nach Westen, um sich über das Donautal und das Karpatenbecken Stück für Stück tiefer in der Mitte Europas vorzuarbeiten. Hier ist eine Zusammenfassung dieser langen Reihe von Wanderungen, die die indogermanischen Sprachen und Kulturen nach Europa gebracht haben und wesentlich zum heutigen europäischen Genpool beigetragen haben.

Heutzutage gehören ungefähr zwei Drittel der europäischen Männer zu den Y-chromosomalen Haplogruppen R1a oder R1b, zwei patrilineare Abstammungslinien, bezüglich welcher durch Tests alter DNS bestätigt wurde, dass sie während der Bronzezeit mit den indogermanischen Wanderungen aus der pontisch-kaspischen Steppe in die anderen Teile Teile Europas gelangt ist. Doch lange nach dem Ende der Bronzezeit führten nomadische Steppenvölker häufig weiter Einfälle nach den anderen Teilen Europas. Nicht alle von ihnen waren Indogermanisch-Sprecher und in der späten Bronzezeit waren auch solche darunter, die, wie die Skythen, mit einer Vielzahl von nicht-indogermanischen Völkern aus dem Kaukasus, Zentralasien, Sibirien oder sogar dem Mittleren Osten gemischt waren, bevor sie in den anderen Teilen Europas ankamen.

Sie können hier die Karten von Wanderungen der Bronzezeit aus der Steppe nach anderen Teilen Europas visualisieren.

Historische Zusammenfassung der Wanderungen aus der pontisch-kaspischen Steppe nach anderen Teilen Europas

  • 4200-3900 v. Chr.: Späte Kupferzeit: Reiter erobern die alten balkanischen Hügel-Siedlungen im östlichen Rumänien und Bulgarien. Die meisten Städte und Dörfer der Kulturen Gumelnita, Varna und Karanovo VI sind verlassen. Eine neue gemischte Kultur entsteht, die Kultur von Suvorovo-Cernavodă (4000-3200 v.Chr.), die sich während der Ezero-Periode (3300-2700 v. Chr. ) weiter südlich bis zur Ägäis ausbreiten wird.
  • 3500 v. Chr.: Andere Vorstöße aus der Steppe in die Cucuteni-Tripolye-Kultur führen zur Bildung der hybriden Cotsofeni-Kultur, auch bekannt als Ussatowe-Kultur, im Nordosten Rumäniens.
  • 3200-2800 v. Chr.: Erste Nordwest-Erweiterung der Grubengrab-(Jamna-)Kultur von der westlichen Steppe bis zum modernen Polen, Deutschland, Skandinavien und Baltikum. Entstehung der Schnurkeramische Kultur (3200-1800 v. Chr. ).
  • 2800-2500 v. Chr.: Gemischte Menschen aus den Kulturen Cotsofeni und Ezero begannen, die Donau aufwärts zu wandern und siedeln sich in der ungarischen Ebene an. Die südliche Expansion der Abashevo, Poltakva und Katakombenkulturen vom Wolga-Ural bis zum Schwarzen Meer trieb mehr nomadische Hirten der späten Grubengrab-(Jamna-)Kultur nach Europa.
  • 2500-2300 v. Chr.: Indogermanen expandieren von der ungarischen Ebene nach Österreich, Böhmen, Mähren, Südpolen und Süddeutschland und führen dort zur Kultur der Bronzezeit in Mitteleuropa: Aunjetitzer Kultur.
  • 2300-2000 v. Chr.: Die Indogermanen setzen ihren Vorstoß nach West- und Nordeuropa fort und verbreiten in der Bronzezeit eine einheitliche Begräbnissitte.
  • 2000-1100 v. Chr.: Die Seevölker drangen in die Ägäis und das östliche Mittelmeer von Norden her ein (wahrscheinlich vom Schwarzen Meer aus). Dies ist einer der umstrittensten Teile der antiken Geschichte, da es keine klaren Beweise für die Entstehung der Seevölker gibt. Die Indogermanen aus der Steppe oder anderen Teilen Europas waren die einzigen Krieger mit genügend fortgeschrittenen Waffen und Kenntnissen der Seefahrt, um die mächtigen Palaststaaten Griechenlands, Anatoliens, der Levante und Ägyptens zu zerstören. Es passt auch zu der 1000-jährigen Zeitspanne, in der sonst keine größere Wanderung aus den Steppen stattfindet, als dass die östlichen Indogermanen Pakistan und Indien aus Zentralasien eroberten.
  • 800-550 v. Chr.: die Kimmerier werden von ihren Verwandten aus der pontischen Steppe verdrängt, die Skythen aus der Wolga-Ural-Region und Zentralasien. Die Kimmerier siedeln sich um 800 v. Chr. in Anatolien und im heutigen Rumänien an. Die kimmerische Kultur begann um 1200 v. Chr. Einige Archäologen nehmen ihren Ursprung im Nordkaukasus an. Nach einigen Berichten zogen die Kimmerier nach Norddeutschland und in die Niederlande und wurden die Vorfahren einiger germanischer Stämme, wie die Sicambri (Vorfahren der Franken). Die Skythen folgten zwischen 650 und 550 v. Chr. in Siebenbürgen, Ungarn und der südlichen Slowakei. Sie unterhielten Handelswege mit den Steppen bis zur römischen Eroberung von Pannonien und Dakien.
  • 100-500: Die Hunnen aus Südsibirien dringen in Osteuropa ein und drängen die Alanen (ein Stamm, der von den Sarmaten abstammt) nach Westen. Die Goten, Vandalen, Franken, Angeln, Sachsen, Jüten und andere kommen unter dem Druck des neu eindringenden Steppenvolkes in das Römische Reich, was den Zusammenbruch des Weströmischen Reiches verursachte.
  • 550-1000: Die nächsten Eindringlinge aus der Steppe waren die Awaren, die 562 in den unteren Donauraum eintraten. Die Awaren errichteten ihre Herrschaft über das Donaubecken, von Zentralrumänien bis Ostösterreich, von dem Ende des 6. bis zum Anfang des 9. Jahrhunderts.

    Im 4. Jahrhundert drangen einige Protobulgaren über den Kaukasus nach Armenien, während andere bereits den Hunnen gefolgt waren, dann die Awaren nach Mitteleuropa. Die pontische Steppe und der Nordkaukasus wurden während des Großbulgarisches Reich on Bulgaren zur Zeit des 7. Jahrhunderts regiert. Unter dem Druck der Khasaren trennten sich die Bulgaren in zwei Gruppen; eine wanderte nach Norden nach Wolga Bulgarien und die andere nach den Karpaten und gründe das Erste Bulgarische Reich (680-1018) im heutigen Rumänien und Bulgarien.

    Die Magyaren und Khasaren wanderten von der Ural-Wolga-Region in die heutige Ukraine. Um 830 drangen sie über die Karpaten bis nach Bayern, wo sie 956 aufgehalten wurden, um sich dann im 10. Jahrhundert dauerhaft in Ungarn niederzulassen und 1001 das Königreich Ungarn zu gründen.

  • 1235-1300: Die Mongolensturm erreichte Europa um 1235 und die Mongolen überfielen unerbittlich Bulgarien, Polen, Böhmen, Ungarn, Österreich, Kroatien, Serbien und das byzantinische Thrakien. Sie wurden schließlich besiegt und aus Europa vertrieben, haben aber möglicherweise einige genetische Spuren hinterlassen (obwohl sie aufgrund der aktuellen Beweise sehr geringfügig sind).

  • 1350-1550: Die letzten Menschen aus Zentralasien, die nach Europa kamen, waren die Türken, die von 1359 bis 1481 den Balkan eroberten, dann die Karpaten und Ungarn von 1520 bis 1566. Sie waren nicht aus der pontisch-kaspischen Steppe, sondern aus Gebieten Zentralasiens, die vor über 4000 Jahren von den Indoeuropäern aus der Wolga-Ural-Steppe besiedelt worden waren. Wie andere Turkvölker (Hunnen, Awaren, Bulgaren, Khasaren, Tataren) brachten die Türken angeblich viele R1a-Linien mit (+ ein wenig R1b).

Genetische Auswirkung

Der kontinuierliche Fluss von Steppenvölkern wirkte sich zusammen genommen auf den europäischen Genpool aus. Dennoch hatten die frühen Wanderungen des Kupfer- und Bronzezeitalters den größten genetischen Einfluss.

Vor 4000 v. Chr. schien es in Europa keine Haplogruppe R1b-L23 (und Untergruppen) zu geben, außer in der pontisch-kaspische Steppe. Ältere Zweige von R1b wurden in mittelsteinzeitlichen Proben vom Balkan und aus dem östlichen Ostseeraum gefunden, aber diese sind heute zum größten Teil ausgestorben. Der R1b-Zweig der Indogermanen ist mit der Ausbreitung in die Karpaten und den Balkan verbunden (Usatovo-Co?ofeni, Ezero, Otomani-Kulturen), dann mit der Ausbreitung nach Mitteleuropa, die sich entlang der bereits bestehenden Handelsnetze der Glockenbecherkultur bis Großbritannien und Irland im Westen erstreckte.

Dasselbe gilt für die Haplogruppe R1a. Alte Zweige, die wenige oder keine modernen Nachkommen hinterlassen haben, wurden in mittelsteinzeitlichen Überresten aus Osteuropa festgestellt, aber der R1a-M417-Zweig, der überlebte und alle anderen ersetzte, stammte vermutlich aus der Grubengrab-Kultur und Tests alter DNS bestätigten, dass er hauptsächlich durch die schnurkeramische Kultur verbreitet wurde. Heutzutage trägt mehr als die Hälfte der heutigen europäischen Männer ein Y-Chromosom, das von der in der Steppe während der frühen Bronzezeit gefundenen Variante R1a oder R1b abstammt. R1b ist in Westeuropa vorherrschend, während R1a in Mittel- und Osteuropa häufiger vorkommt.

Eine weitere väterliche Linie in der Grubengrab-Kultur, die sich mit den indogermanischen Wanderungen zu verbreiten scheint, ist I2a2a-L701. Haplogruppe I2 war der Hauptzweig der mittelsteinzeitlichen Europäer und wurde auf dem ganzen Erdteil gefunden. I2a2a-L701 scheint ein Zweig zu sein, der in der mittelsteinzeitlichen Ukraine und im südlichen Russland gefunden wurde und Teil der Grubengrab-Kultur wurde.

Es ist auch wahrscheinlich, dass einige väterliche Abstammungslinien der jungsteinzeitlichen Kulturen, die an die pontische Steppe angrenzen, teilweise von den Steppen-Eindringlingen absorbiert und mit ihnen in den Rest Europas getragen wurden. Dies könnte der Fall bei der Cucuteni-Trypillian-Kultur gewesen sein, die um die in dem heutigen Moldawien und der Westukraine liegt und 3500 v. Chr. an die Grubengrab-(Jamna-)Kultur angrenzte. Ein Hauptkandidat ist Haplogruppe G2a, die Hauptlinie jungsteinzeitlicher Bauern. Die Unterklade G2a-U1 wurde durch alte DNS bestätigt, aus der Cucuteni-Kultur zu stammen. Ihre Ausbreitungsmuster und das Alter ihrer Zweige deuten stark auf eine bronzezeitliche Verbreitung während der indogermanischen Wanderungen nach Mittel- und Westeuropa hin. Das ist wahrscheinlich auch der Fall betreffend G2a-Z1816, welcher Zweig sich neben dem proto-italisch-keltischen Zweig R1b-U152 zu verbreiten scheint.

Diese proto-indogermanischen Wanderungen in der Bronzezeit hatten einen größeren Einfluss auf die väterliche Linie (Y-Chromosom), weil Männer sich mit mehreren Frauen fortpflanzen können und Mehrehe in hierarchischen Gesellschaften der Bronzezeit üblich war. Aber auch Steppenfrauen begleiteten sie. Sie würden mitochondriale Haplogruppen H2a1, H6, H7, H8, H15, K1c, K2b, U2d, U2e, U4, U5a1a, I1, I2, I3, V7a, V15 und W in Europa verbreiten.

Wanderungen aus der pontischen Steppe während der mittleren und späten Bronzezeit hatten eine Mischung aus R1a, R1b und anderen neuen Linien wie J2b2a-L283 ergeben, die an einer proto-illyrischen Fundstelle der Zeit 1600 v. Chr. in Kroatien angetroffen wurde. Es scheint, dass E-V13 eine andere jungsteinzeitliche europäische Linie war, die von den indogermanischen Neuankömmlingen assimiliert worden war. Seine mehrheitliche Untergruppe CTS5856 hat einen MRCA vor nur 4100 Jahren, was eine Ausbreitung in der mittleren bis späten Bronzezeit bedeutet.

Die letzten vermutlichen R1b-Leute, die die Steppe verlassen hatten, waren die Kimmerier. Die Sarmaten, die sie vertrieben hatten, scheinen einige der einheimischen Steppenbewohner assimiliert zu haben, die nicht fliehen konnten. Ein frühes sarmatisches Individuum gehörte zu R1b-Z2103 (wie Grubengrab-Kultur). Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die Sarmaten wie andere iranische Stämme überwiegend zu R1a gehörten. Zwei späte sarmatische oder frühe alanische Proben (300-400) aus der Republik Nordossetien-Alanien gehörten zu den Haplogruppen R1a, G2a und J1. Die beiden letztgenannten sind gemeinsame Linien im Nordkaukasus und können in einigen ethnischen Gruppen mehr als 50% der Bevölkerung ausmachen. Daher werden sie wahrscheinlich eher örtliche Linien als urprünglich sarmatische/alanische Linien assimiliert haben.

Alle nachfolgenden Wanderungen aus der Steppe haben in erster Linie die Haplogruppe R1a auf den Balkan und nach Mitteleuropa gebracht. Südosteuropa hat heute die höchste R1a-Diversität aufgrund der zahlreichen eurasischen Stämme, die sich zwischen 800 v. Chr. und 1000 n. Chr. dort niedergelassen haben.

Dutzende Proben alter DNS aus Skythen-Überresten wurden auf mtDNA und einige auch auf Y-DNS hin getestet. Elf skythen- oder skythenbezogene Y-DNS-Proben wurden von verschiedenen Orten in Russland und Sibirien getestet und alle außer einer gehörten zur Haplogruppe R1a (die letzte gehörte zur sibirischen Haplogruppe N). Nur zwei wurden auf tiefere Untergruppen getestet und fielen beide in den den indo-iranischen Z93-Zweig (nicht überraschend, da die Skythen ein iranischer Stamm waren). Es ist wahrscheinlich, dass die Skythen auch eine Minderheit von Haplogruppen R1b-Z2103 (wie andere Indo-Iraner), aber auch J2a und Q1b aus Zentralasien, wo sie entstanden, trugen. Ihre mitochondrialen Haplogruppen zeigen, dass die Skythen aus Russland auf der mütterlichen Seite starke Beimischungen aus den mongolisch-sibirischen Stämmen hatten.

Die Hunnen kamen ursprünglich aus der Mongolei und dem Altai. Viele 2000 Jahre alte Proben wurden sowohl auf Y-DNS als auch auf mtDNA hin getestet und sie scheinen sich nicht sehr von heutigen Mongolen zu unterscheiden. Ihre wichtigsten Y-DNS-Linien waren C2a, N1 und Q1a, aber sie besaßen auch einige R1a und R1b (und entsprechende proto-indogermansiche mtDNA-Linien wie H, J1, U2e und U5a). Zu der Zeit, als die Hunnen Europa erreichten, waren sie zu einer Konföderation mehrerer Stämme in der eurasischen Steppe geworden und viele von ihnen waren aller Wahrscheinlichkeit nach R1a-dominiert (weil sie von den Sarmaten und Skythen abstammen). Dies erklärt, warum nur sehr wenige ostasiatische Linien in Teilen Europas zu finden sind, wo sich die Hunnen angesiedelt haben, vor allem in Ungarn, den Karpaten, Polen und Deutschland. Dies sind alles Regionen mit beträchtlichen Anteilen von R1a, und ein Teil davon könnte von der hunnischen Konföderation aus der Steppe stammen.

Die Awaren, Bulgaren, Magyaren und Khasaren hatten auch hauptsächlich R1a-Linien mit wahrscheinlich anderen iranischen (G2a, J2a, R1b-Z2103), Turk- (C2a, Q1a) und sogar uralischen Linien (N1c) mitgebracht. Sechs Magyaren-Y-DNS-Proben aus dem 10. Jahrhundert wurden getestet und gehörten zu den Haplogruppen I2a (x2), N1c (x2) und R1b (x2). Die Y-DNS von König Béla III. von Ungarn wurde durch Olasz et al. (2018) getestet und erwies sich als R1a. Béla war Mitglied der Árpáden-Dynastie, die von der Ankunft der Magyaren im 9. Jahrhundert bis 1301 über Ungarn herrschten.

Die Türken kamen vom Altai nach Zentralasien und eroberten das Byzantinische Reich. Die ursprünglichen türkischen Invasoren haben in der anatolischen Bevölkerung einen signifikanten genetischen Eindruck hinterlassen. Heutzutage tragen 7% der türkischen Männer ein Y-Chromosom, das aus der Mongolei oder Sibirien stammt (Haplogruppen C, N, O und Q). Weitere 7% gehören zur Haplogruppe R1a (hauptsächlich der Zweig Z93), von denen die meisten auch mit den Türken hätten gekommen sein können. Nachkommen der osmanischen Dynastie wurden positiv auf R1a-Z93 getestet. 500 Jahre osmanische Herrschaft auf dem Balkan haben einen kleinen, aber auffälligen Prozentsatz türkischer Y-DNS in der Region hinterlassen.

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